Granatapfel-Punsch mit Nelkenwurz

Granatapfel-Punsch mit Nelkenwurz

Genau vor einem Jahr habe ich diesen Blog über essbare Wildpflanzen ins Leben gerufen – es freut mich wirklich riesig, dass ich seitdem so viel positives Feedback mündlich, per Mail und auf Instagram bekommen habe! Der Mix aus Rezepten und Botanik kommt gut an. Zur Feier gibt es nun einmal im Monat auch einen Pflanzensammlerin-Newsletter. Wenn du gespannt bist auf noch mehr wildes Wissen und auf dem Laufenden bleiben möchtest, kannst du dich gerne hier dafür anmelden. Und zum virtuellen Anstoßen teile ich heute ein Rezept für unglaublich leckeren Granatapfel-Punsch aromatisiert mit den Wurzeln der Echten Nelkenwurz (Geum urbanum, Rosaceae). 

Die ersten winzigen Blättchen Bärlauch wurden zwar schon in den sozialen Medien geteilt, aber noch ist die perfekte Zeit Wurzeln zu graben. Von Oktober bis März befinden sich unsere heimischen Pflanzen in der Vegetationsruhe. Vor dem Blattaustrieb im Frühjahr steckt die geballte Kraft in ihren Wurzeln. Die der Nelkenwurz besitzen ein Aroma wie die bekannten getrockneten Blütenknospen des Gewürznelkenbaums (Syzygium aromaticum, Myrtaceae). Genau wie Nelken lässt sich die Nelkenwurz verwenden, um Getränke wie Limonade oder Spirituosen und Gebäck zu aromatisieren.

Auf nährstoffreichen Böden in feuchten Wäldern, an Wegrändern und schattigen Mauern, sogar im Garten fühlt sich die Echte Nelkenwurz wohl. Im Winter erkennst du die mehrjährige Staude an ihren dunkelgrünen, abgerundeten, behaarten Grundblättern, die eine Rosette bilden. Der Blattrand ist gezähnt, der obere Teil des fiederteiligen Blattes ist oft dreifach gelappt. Wenn du die Wurzeln graben möchtest, solltest du mit etwa 20 cm Abstand zur Rosette einstechen und das Rhizom mit den Wurzeln heraus hebeln, sonst trennst du die seitlichen Wurzeln ab. Möglichst viel Erdreich kannst du gleich vor Ort abschütteln. Und nicht vergessen, das entstandene Grabloch wieder aufzufüllen! In diesem Beitrag kannst du nochmal nachlesen, worauf man beim Pflanzensammeln grundsätzlich achten sollte.

Nelkenwurz-Rosette
Winterrosette der Echten Nelkenwurz (Geum urbanum, Rosaceae)

Zuhause angekommen wäschst du deine Beute gut unter fließendem Wasser ab und trennst die Blätter von den Wurzeln. Die etwas derben Blätter bringen zu dieser Jahreszeit nicht viel Eigengeschmack mit aber einen Smoothie bereichern sie um Nährstoffe. Wenn du die Wurzeln nicht gleich verwenden möchtest, kannst du sie grob zerkleinert auf einem Tuch trocknen und so haltbar machen. Kurz vor der Verwendung lassen sie sich dann im Mörser oder in der elektrischen Kaffeemühle zerkleinern.

Die Echte Nelkenwurz enthält bis zu 18% Gerbstoffe und ätherisches Öl, vor allem Eugenol, das antiseptisch wirkt. In der Volksheilkunde werden die Wurzeln bei Durchfall, Blutungen, Schleimhaut- und Zahnfleischentzündungen sowie Magen-Darm Verstimmungen eingesetzt. Sie wirken fiebersenkend, schmerzstillend und entzündungshemmend. [1,2]

Nelkenwurz-Wurzel
Blätter, Rhizom und Wurzeln der Echten Nelkenwurz

Die jungen Blätter der Echten Nelkenwurz treiben im März und April so richtig aus und eignen sich dann für Salate, Kräuterquark und Gemüsezubereitungen [2]. Ab Mai kommen die gelben, fünfzähligen Blüten als essbare Dekoration in Frage. Im Vergleich zu den Rosettenblättern laufen die Blätter des Blütenstängels zunehmend spitz zu. Nach der Blüte verlängern sich die hakig gekrümmten Griffel und verbreiten unzählige Nüsschen als Klettfrüchte. [3]

Nelkenwurz-Blatt
Echte Nelkenwurz (Geum urbanum, Rosaceae) – Stängelblatt
Nelkenwurz-Bluete
Geöffnete Blüte
Nelkenwurz-Fruechte
Zur Fruchtreife sind freie Nüsschen vorhanden – die Griffel enden in klettenden Haken

Neben den Wurzeln der Echten Nelkenwurz ließen sich in diesem Rezept auch weitere wild gesammelte Aromageber verwenden, über die ich schon geschrieben habe: zitronige Fichtennadeln oder die Früchte des Wiesen-Bärenklaus, die an Orange und Kardamom erinnern. Nur richtig aufkochen sollte man das Ganze nicht, damit die Aromen nicht verfliegen – erhitzen reicht vollkommen. Traditionell enthält Punsch wohl fünf Zutaten: Wer mag, gibt zu Granatapfelsaft, Orangen, Gewürzen und Honig, Arrak als fünfte klassische Komponente. Auf ein weiteres Jahr wilder Rezepte und Pflanzenbestimmung!

Nelkenwurz-Wurzeln

Granatapfel-Punsch mit Nelkenwurz

ERGIBT 4 PORTIONEN
glutenfrei, vegan, laktosefrei

1 l Granatapfelsaft
Saft einer Orange
1 El Nelkenwurz
1 Zimtstange
4 ganze Kapseln Kardamom
optional: Süßungsmittel wie Ahornsirup, Honig o.ä.

Granatapfel- und Orangensaft in einen Topf geben und bis kurz vor dem Sieden erhitzen. Währenddessen Nelkenwurz und Kardamom im Mörser gut anstoßen, Zimtstange in kleine Stücke brechen. Die Gewürze in ein Säckchen binden oder in einen Teebeutel aus Papier geben und 20 Minuten bei geringer Hitzezufuhr im Saft ziehen lassen. Gewürzsäckchen entfernen und bei Bedarf süßen.

Im Umgang mit essbaren Wildpflanzen gilt: Sammle nur, was du hundertprozentig bestimmen kannst und nicht unter Naturschutz steht. Probier erst eine kleine Menge, wenn du eine Wildpflanze zum ersten Mal zu dir nimmst. Recherchiere potentielle Kontraindikationen, z.B. bei Medikamenteneinnahme, Schwangerschaft oder Allergien. Für Schäden kann keine Haftung übernommen werden.

Literatur

[1] Beiser, R.: Heilpflanzen-Tinkturen – Wirksame Pflanzenauszüge selbst gemacht. Eugen Ulmer, Stuttgart 2017.
[2] Fleischhauer, S. G., Guthmann, J., Spiegelberger, R.: Enzyklopädie essbare Wildpflanzen. AT Verlag, Aarau und München, 2016.
[3] Lüder, R.: Grundkurs Pflanzenbestimmung. Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim 2013.