Löwenzahnwurzel Caffè Latte

Löwenzahnwurzel Caffè Latte

Vor zwei Wochen habe ich an dieser Stelle schon von neu ausgetriebenen Löwenzahnrosetten berichtet – in der Zwischenzeit hat es hier in Südostbayern wieder geschneit! Anstelle von frischem Blattgrün und Frühlingsblüten erzähle ich dir heute von meiner liebsten Pflanzenmilch, die zusammen mit Löwenzahn-Wurzelkaffee und wärmenden Gewürzen ideal ist für einen gemütlichen Nachmittag auf dem Sofa. Bis Ende März kannst du noch gut Wurzeln graben – in diesem Beitrag erkläre ich am Beispiel der Nelkenwurz, wie das geht, und in meinem letzten Blog-Post kannst du alles über Löwenzahn (Taraxacum sect. Ruderalia, Asteraceae) nachlesen, falls du mehr über Erkennungsmerkmale und Inhaltsstoffe erfahren möchtest. Löwenzahnwurzeln wirken übrigens genau wie das Kraut harntreibend und werden volksheilkundlich bei Leberbeschwerden, Gicht und rheumatische Erkrankungen eingesetzt [1].

Wenn es dir draußen zu kalt ist, um selbst in der Erde zu wühlen, bekommst du Löwenzahnwurzeln schon fertig getrocknet in der Apotheke, im Reformhaus oder online, wo immer du am liebsten Kräuter bestellst. Dann musst du die Stückchen nur noch in der Pfanne ohne Fett bei mittlerer Hitze etwa 5–8 Minuten rösten, bis sie anfangen zu duften. Je dunkler die Wurzeln sind, desto schwärzer wird später der Löwenzahnkaffee. Hier gilt: Einfach ausprobieren, wie er dir am besten schmeckt!

Falls du dich selbst ans Ausgraben der Pfahlwurzeln machst, ist nur wichtig zu wissen, dass du sie vor dem Trocknen kleinschneiden solltest – danach sind sie extrem hart! Und wenn es schnell gehen muss, brauchst du auch nicht 1–2 Wochen warten, bis die Wurzelstückchen getrocknet sind. Dann schneidest du sehr dünne Scheibchen ab, die beim Rösten in der Pfanne ohnehin trocknen.

Jetzt fehlt nicht mehr viel und du hältst eine Tasse Löwenzahn-Wurzelkaffee in den Händen: Eine Tasse Wasser und 1–2 Teelöffel geröstete Wurzeln kochst du auf und lässt das Ganze 5–10 Minuten vor sich hin simmern, seihst ab und kannst genießen! Falls du einen Mörser besitzt, kannst du die Stückchen vor dem Kochen noch etwas zerkleinern, um mehr Geschmack rauszuholen. Wenn du eine (elektrische) Kaffeemühle besitzt, kannst du sie auch zu feinem Pulver vermahlen und im Kaffeefilter mit kochendem Wasser überbrühen – erfahrungsgemäß wird der Kaffee dann nicht ganz so dunkel.

Loewenzahnwurzel
Frisch gegrabene und gewaschene Löwenzahnwurzel
Loewenzahnwurzelstuecke
Geröstete Löwenzahnwurzel – in Stücken und fein gemahlen

Wie auch immer du ihn zubereitest, dein wilder Kaffee wird auf jeden Fall das typisch Bittere vom Löwenzahn mitbringen und darüber hinaus eine malzige Süße. Das nächste Genuss-Level erreichst du, wenn du ihn mit selbst gemachter Cashew-Milch und Gewürzen schön schaumig mixst! Einen Arbeitsschritt sparst du dir, wenn du den Kaffee wie hier im Rezept beschrieben mit ausreichend Wasser ansetzt, sodass du im Mixer nur noch Cashews und alle weiteren Zutaten dazu geben musst.

Was ich an der selbst gemachten Cashew-Milch so liebe? Abgesehen davon, dass Cashews mit einem besonders hohen Vitamin-, Mineralstoff und Ballaststoff-Gehalt punkten, enthalten sie auch unübertroffene Mengen an Tryptophan, eine essentielle Aminosäure, die Depressionen lindern kann. Im Gegensatz zu gekauften Pflanzendrinks landet beim Selbermachen kein Tetrapak im Müll und wer einen Unverpackt-Laden vor Ort hat, spart sich auch die Verpackung der Cashews! Außerdem enthalten gekaufte Hafer-, Dinkel- und Reismilch ziemlich viel Zucker. Bei selbst hergestellten Milchalternativen auf Basis von Nüssen filtert man Trester ab, den es dann weiterzuverarbeiten gilt – dafür gibt es zwar tolle Rezepte, aber nicht immer hat man Zeit und Lust dazu. Cashew-Milch hingegen wird im Hochleistungsmixer so fein, dass meiner Meinung nach kein Abseihen nötig ist (Das ist übrigens auch bei Macadamias der Fall). Mein Standard-Rezept für eine Tasse Cashew-Milch sind 25 g der Kerne auf 175 ml Wasser.

Der Haken daran? Cashewbäume (Anacardium occidentale, Anacardiaceae) stammen aus Brasilien und lieben tropisches Klima. Heute baut man Cashew-Kerne auch in Asien und Afrika an. Da wären also an erster Stelle die langen Transportwege zu nennen. Darüber hinaus ist die Verarbeitung nicht nur aufwendig und wird überwiegend in Handarbeit vorgenommen, sondern sie ist mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden. Die nierenförmige Cashew-Frucht wächst an einem sogenannten Cashew-Apfel – der verdickte, deutlich größere, birnenförmige Fruchtstiel [2]. Um an die Cashew-Kerne (die eigentlichen Samen) zu gelangen, wird erst der Fruchtstiel entfernt und dann die Schale. Sie enthält ein toxisches, stark ätzendes Öl, das bei der Prozessierung Haut und Lungen schädigen kann.

Man braucht nicht viel Fantasie, um sich auszumalen, dass die Tätigkeit weder ansatzweise fair vergütet wird noch die Arbeiter*innen ausreichend geschützt sind. Das hört sich jetzt so an, als wolle ich dir dieses Rezept vermiesen – keineswegs! Ich will nur darauf aufmerksam machen, dass es sich bei Cashews besonders lohnt auf die Quelle zu achten und dass es sich bei den Kernen, die in jedem Studentenfutter zu finden sind, eigentlich um eine Delikatesse handelt. Als solche kommt sie bei mir eben nicht jeden Tag auf den Tisch. Löwenzahnwurzeln können wir hingegen vor der eigenen Tür so viele ausgraben, wie wir wollen – das ist ja das Schöne an unseren heimischen „Unkräutern“!

PS: Falls du Gefallen gefunden hast an der koffeinfreien, wilden Kaffee-Variante ist vielleicht Eichelkaffee auch nach deinem Geschmack?

Loewenzahnkaffee

LÖWENZAHNWURZEL CAFFÈ LATTE

FÜR 2 PERSONEN
glutenfrei, vegan, laktosefrei

4 Tl geröstete, zerkleinerte Löwenzahnwurzeln
500 ml Wasser
50 g Cashews, 2 Stunden in Wasser eingeweicht
2 Datteln
1 Tl Zimtpulver
1/4 Tl gemahlener Kardamom
1 Prise Nelken, gemahlen

Löwenzahnwurzeln im Wasser aufkochen und je nach gewünschter Stärke 5–10 Minuten köchelnd ziehen lassen. Währenddessen Cashews abspülen und gut abtropfen lassen. Den heißen Löwenzahn-Wurzelkaffee abseihen und mit abgetropften Cashews, Datteln und Gewürzen im Hochleistungs-Mixer schön schaumig schlagen, bis keine Cashew-Stückchen mehr vorhanden sind. Nach Belieben mit etwas Kakaopulver oder Zimt bestäuben und servieren.

Im Umgang mit essbaren Wildpflanzen gilt: Sammle nur, was du hundertprozentig bestimmen kannst und nicht unter Naturschutz steht. Probier erst eine kleine Menge, wenn du eine Wildpflanze zum ersten Mal zu dir nimmst. Recherchiere potentielle Kontraindikationen, z.B. bei Medikamenteneinnahme, Schwangerschaft oder Allergien. Für Schäden kann keine Haftung übernommen werden.

Literatur

[1] Fleischhauer, S. G., Guthmann, J., Spiegelberger, R.: Enzyklopädie essbare Wildpflanzen. AT Verlag, Aarau und München, 2016.
[2] Lieberei, R., Reisdorff, C.: Nutzpflanzen. Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart 2012.